Weihrauch - 
Die Faszination eines Duftharzes

 

Allerlei Wissenswertes, Kulturelles und Geschichtliches

 

Weihrauch ist der Überbegriff für Räucherwerk aller Art. Gleichzeitig bezeichnet er ein Räucherharz, auch unter dem Namen "Olibanum" bekannt, das von Bäumen der etwa 25 Boswellia-Arten stammt. Der Weihrauchbaum wächst hauptsächlich wild, da er Versuchen, ihn zu verpflanzen oder zu züchten, zumeist hartnäckig widersteht. Er findet sich bevorzugt an den landeinwärts gelegenen Küstengebieten, die sich entlang des Roten Meeres, über den Golf von Aden bis hin zum Oman erstrecken, des weiteren findet man ihn in manchen Teilen Indiens. Die Weihrauchernte geschieht seit über 3000 Jahren auf dieselbe Weise: Indem man die Rinde der Boswelliabäume mit dem Mangaf-Messer einschneidet - in der Antike war die Technik ein gut gehütetes Geheimnis - regt man die vermehrte Hartproduktion an. Als Qualitätsmerkmal gilt: Je klarer, reiner und weißer das Harz schimmert, desto besser ist es.

Der Weihrauch war lange Zeit in fast allen Kulturen das meistverwendete Harz, dessen Verbrauch den anderer Harze weit überstieg. In vielen arabischen Ländern bedufteten  die Menschen Kleidung und Wohnräume mit Weihrauch. Auch von den Korn- und Speisekammern hielt man durch Weihrauchräucherungen Ungeziefer fern. Während die Juden im Altertum einen nicht-religiösen Weihrauchgebrauch streng ahndeten, verhielt sich dies bei den Moslems genau umgekehrt: Weihrauch durfte jederzeit, aber keinesfalls zu religiösen Anlässen geräuchert werden. Dies gilt heute als "heidnischer Überrest aus vorislamischer Zeit" und ist daher verpönt. Dafür kommt der duftende Weihrauch bei anderen Gelegenheiten zum Einsatz: Die Frauen im Süden Arabiens beduften noch heute ihre Scham, um sich auf den Liebesakt einzustimmen und ihre Fruchtbarkeit zu steigern.

Weihrauch wurde schon im Alten Testament häufig als Opfergabe und heiliges Räucherwerk erwähnt. Auch heute noch ist er den meisten westlichen Menschen vor allem aus der katholischen Kirche bekannt, wo er in großen Mengen, unterschiedlichen Qualitäten und, je nach Geschmack des Pfarrers, in Mischungen mit anderen Harzen sowie Kräutern verbrannt wird. In tibetischen Tempeln wird ständig Weihrauch geräuchert. Kranke suchen die heiligen Stätten deshalb häufiger auf - nicht nur um zu beten, sondern auch um die heilsamen Wirkungen des Rauches zu genießen. Die medizinischen Anwendungen des Weihrauchs in Form von Salben, Tees, Auszügen, Pflastern usw. werden heute auch im Westen wieder populär. Sie reichen von Asthma über Depressionen, Darmerkrankungen, Gruppe und Hautentzündungen bis hin zu Schlafstörungen, Sonnenbrand, Zahnfleischentzündungen, Kopfschmerzen und der Behandlung von Tumoren.

In der Räucherung klärt Weihrauch die Sinne, lenkt den Blick aufs Wesentliche und spannt den Bogen zwischen den stofflichen und spirituellen Ebenen des Seins. Mit seinem süßlich-schweren, feierlichen Duft schafft er eine Atmosphäre von Klarheit, Reinheit und Ruhe, wobei er anregend und zugleich entspannend wirkt. Andacht und Meditation erfüllt der Weihrauch mit dem Geist des Erhabenen und Ewigen.

Weihrauch kann gut pur verräuchert werden, mischt sich aber auch gut mit Myrrhe, Cassia, Zimt, Kiefer, Sandelholz, Lavendel, Orange, Kampfer, Basilikum, Pfeffer u.a. Weihrauch hat auch eine erotische Komponente in seinem Wohlgeruch. Um ihn diesen Duft zu entlocken, wurde er meist mit Sandelholz, Zimt und anderen sinnlichen Räucherdüften vermischt. Man unterscheidet heute Olibanum Eritrea, Olibanum Somalia und Olibanum Aden, wobei letzterer ein milderes Aroma mit einer leichten Zitrusnote besitzt.
Weihrauch ist nicht zum Verzehr geeignet.


Quelle: Das große Buch vom Räuchern von F.X.J. Huber & Anja Schmidt, Schirner Verlag.

 

Die Faszination eines Duftharzes

" Der Weihrauch trifft Tiefenschichten im Menschen, die wir mit Worten nicht erreichen".

Diese Erkenntnis und die Wiedereinführung des aromatischen Räucherharzes als Medium für die Seele hat den Pfarrer einer fränkischen Kleinstadt fast berühmt gemacht. Er führt richtige Weihrauchmeditationen durch, die in seiner Gemeinde mit Begeisterung aufgenommen werden. Für jeden Zweck und Anlaß kann der passionierte Sammler des edlen Harzes aus über sechzig Sorten, jede mit einer eigenen Duftnote, wählen. Er ist dabei nur einer der ganz wenigen in der christlichen Kirche, die den Weihrauch auch wegen seiner Seelenwirkung wertschätzen. Die Protestanten haben ihn als Räucherstoff für die Messe gänzlich abgeschafft, und auch in den katholischen Gottesdiensten hat er nur noch symbolische Aussagekraft: der emporsteigende Rauch als Sinnbild des aufsteigenden Gebetes nach Psalm 1412 des Alten Testaments. Aber selbst in dieser Funktion mag ihn beileibe nicht jeder Kirchgänger. Bei einer Befragung von Katholiken, wie sie den Sinn und Gebrauch des Weihrauchs in der Messfeier finden, die Meinungen von "finde ich gut" über "ist mir egal" bis "mag ich nicht, sollte man lassen" auseinander.

Hochgeschätzt in der antiken Welt

Ganz anders wurde der Weihrauch in früheren Zeiten geschätzt. Verfolgen wir seine jahrtausendelange Geschichte zurück, dann wird klar: Dieses Duftharz hat die Menschen fasziniert! Als Räuchermittel und Aromastoff eroberte es die antike Welt. Ob im alten Ägypten, bei den Babyloniern, Assyrern, Phöniziern oder Persern, bei den Israeliten oder den alten Griechen und Römern - sein spiritueller Wohlgeruch erfüllte Tempel, Kirchen und Synagogen und stimmte ein zu Gebet und Sammlung.

Weihrauch galt außerdem als ein Statussymbol. Ihn im reichen Maße zu besitzen, verlieh Ansehen und Würde und war Ausdruck von Macht und Reichtum. Bei geselligen Anlässen, im Kreise von Freunden oder bei großen Versammlungen verströmte er harmonisierenden Wohlgeruch, erfrischte und reinigte die Luft. Frauen wussten mit Weihrauchdämpfen ihre Fruchtbarkeit zu steigern und als Parfum, Puder oder Körperpflegemittel verführerisch auf das männliche Geschlecht zu wirken. Und schließlich fand Weihrauch vielfältigen Einsatz für medizinische und hygienische Zwecke, als Heilmittel in unterschiedlichster Verwendungsart: zum Räuchern und Desinfizieren, zur innerlichen und äußerlichen Anwendung gegen verschiedenste Krankheiten.

Ein Hauch von Ewigkeit - Weihrauch im alten Ägypten

Unter den antiken Völkern nahm das Land der Pharaonen und Pyramiden eine herausragende Stellung ein: Es stach nicht nur wegen seiner hochentwickelten Kultur hervor, sondern war auch ein Paradies der Düfte. Das Wissen um die Wirkungen von Gerüchen und die Kunst der Mischung wohlriechender Hölzer, Öle, Harze und Kräuter erlebte bei den alten Ägyptern eine später nie wieder erreichte Blüte. Bereis vor mehr als 6000 Jahren wurden den Toten aromatische Balsame und Öle mit ins Grab gegeben. Noch Jahrtausende später verströmten diese ihr wunderbares Aroma, als die Archäologen die Grabkammern öffneten.

Der Gebrauch von Rauchwaren und Aromastoffen wurde in späteren Dynastien zu einer hohen Kunst weiterentwickelt. Einen großen Einfluss darauf hatten wahrscheinlich indische Händler, die etwa um 3600 v. Chr. den Weihrauch und die Myrrhe nach Ägypten brachten. Seit dieser Zeit stand das Olibanumharz als Räucherwerk ganz im Mittelpunkt des kultischen Lebens. Indiens vedische Hochkultur scheint überhaupt einen immensen Einfluss auf die Lebensart, den Zeitgeist und die Medizin der antiken Welt ausgeübt zu haben. Das spirituelle Wissen um die Geheimnisse des Heilens mit ausgewogenen Düften muss auch die Priester und Heilkundigen des damaligen Ägypten und anderer Völker überaus beeindruckt und ihr Können in der Zubereitung und Mischung wunderbarer und heilsamer Duftessenzen vertieft haben.

Der Duft von Weihrauch war für die alten Ägypter der göttliche Wohlgeruch schlechthin. Sein feierliches Aroma und sein wie zarter Schleier emporgetragener Rauch bargen einen Hauch von Ewigkeit und eine besondere Nähe zum Göttlichen, eine Eigenschaft, die ihm auch andere Völker der antiken Welt zuschrieben. Der Name für den Weihrauch in der ägyptischen Sprache lautete daher übersetzt auch "der Göttlichmacher". Seine balsamischen Düfte erfüllten die Tempel, begleiteten Gebete, Opferzeremonien und Begräbnisse, unterstrichen die Würde von Staatsakten und umwehten die feierliche Inthronisation des Pharaos.

Weihrauch, Gold und Myrrhe - wahrlich fürstliche Geschenke

In unserer christlich geprägten Kultur ist Weihrauch wohl jeden durch die Geschichte der drei Sternendeuter bekannt, die dem Jesuskund, in dem sie den neugeborenen König der Juden glaubten, Weihrauch und Myrrhe als Insignien der Königswürde darbringen. Diese Begebenheit hat, wie man weiß, zwar so nicht stattgefunden. Der Mythos von den Weisen aus dem Morgenland entstammt dem alt-persischen Mitraskult und wurde, wie andere auf Jesus projizierte Geschichten, später vom Christentum übernommen. Diese Legende zeigt aber, welche Wertschätzung das so außergewöhnlich duftende Harz des Boswellia-Baumes zur damaligen Zeit genoss. Es war eine Kostbarkeit, die man Herrschern und Königen zum Geschenk reichte.

Der Highway des Altertums, die 3500 km lange Weihrauchstrasse vom Oman bis ans Mittelmeer.

Häuser im Jemen 

Alter Weihrauchbaum im Dhofar/Oman, dem Land des einzigartigen Weihrauchs 

Die Weihrauchstraße

Weihrauch und Myrrhe waren bei unseren Vorfahren auch aus einem anderen Grund ausgesprochene Kostbarkeiten. Der Handel mit diesen edlen Duftharzen verschaffte Provinzen und Stadtstaaten im südlichen Arabien, dem damaligen wie heutigen Hauptkulturgebiet des Weihrauchbaums, einen sagenhaften Wohlstand und damit auch Macht. Seine Blütezeit erlebte der Weihrauchhandel unter der Herrschaft der Sabäer (1100 v. Chr. bis 575 n. Chr.), deren Herrschaftsbereich bis ins nördliche Arabien reichte und die dadurch einen bedeutenden Teil des damaligen Welthandels kontrollierten. Ein Zentrum der Weihrauchproduktion war Dhofar, das im heutigen Oman am Südzipfel der arabischen Halbinsel liegt. Von dort aus wurde das kostbare Gut in mühevollen und oft monatelangen Kamelkarawanen entlang der sogenannten Weihrauchstraße über eine Strecke von 3500 Kilometern nach Norden in Richtung Mittelmeer transportiert. Das trieb den Preis hoch! Ein Pfund der billigsten Sorte Weihrauch kostete einen Arbeiter im ägyptischen Alexandria einen ganzen Wochenlohn. Denn der Transport zu Lande war nicht nur beschwerlich, sondern auch gefährlich: Wegelagerer, Räuber und Plünderer trieben ihr Unwesen, und eine Reihe von Provinzen erhoben Zölle und Mautgebühren auf den meist streng reglementierten Routen. Ein Abweichen vom vorgeschriebenen Weg wurde mitunter mit der Todesstrafe geahndet.

Auf dem Schiffswege wurde der arabische Weihrauch bis nach Indien ausgeführt, da dessen heimischer Weihrauchbaum nicht die aromatischen Qualitäten des arabischen Harzes hervorbrachte.

Die indische Pflanze mit dem botanischen Namen Boswellia serrata unterscheidet sich nicht nur in den Duftstoffen von seinem arabischen Verwandten, sondern auch in wichtigen Wirkbestandteilen.

Über die Weihrauchstraße gelangte das wertvolle Olibanumharz vom Süden Arabiens nach Osten und Norden, in alle Länder des Mittleren und nahen Ostens und des Mittelmeerraumes und wurde so zu einem festen Bestandteil des damaligen religiösen, aber auch weltlichen Lebens.


Quelle: Weihrauch, Aurum-Verlag

Weihrauchbaum (Boswellia sacra Flueck)

Weihrauchbüte

Farbiger Weihrauch *Elfentanz*

12.Dezember 2006 M. Köhler-Ettratah