Marianne Lenormand – die bedeutendste Wahrsagerin des 19. Jahrhunderts

 

Sie wurde am 27. Mai 1772 in Alencon/Frankreich geboren. Dieses Datum wird als Taufdatum im Kirchenbuch als Geburtstag registriert, aber es ist nicht sicher, ob sie auch an diesem Tag geboren wurde. Ihr Vater ist der wohlhabende Tuchhändler, ihre Mutter Anne-Marie Gilbert.

In rascher Folge werden 5 Kinder geboren, von denen 2 am Leben bleiben, Sophie und Marc. Wenige Tage nach der Geburt des Sohnes und Erben stirbt Jean-Louis ganz plötzlich an einer rätselhaften Krankheit. Seine Frau, die zierliche Anne-Marie ist diesem Schicksalsschlag nicht gewachsen. Willenlos lässt sie sich mit einem Verwandten verheiraten, damit das gutgehende Geschäft weitergeführt werden kann.

Die sechsjährige Marianne verlebte bis dahin für ihre Epoche eine ungewöhnlich glückliche Kindheit.

An einem kalten Herbsttag stirbt Anne-Marie. Innerhalb eines halben Jahres haben die drei Kinder beide Eltern verloren. Die Verwandtschaft nimmt sich der Kinder an, aber obwohl eine Heirat das Beste für den Hausstand des Tuchhändlers wäre. Marianne weigert sich, das Elternhaus zu verlassen, und da sie ohnehin den ganzen Tag herumstreunt, hat der Stiefvater keine Einwände. Ob die Kleine bei den Zigeunern, die gerade in jenen Tagen vor der Stadtmauer lagern, Trost findet? Jedenfalls lernt sie hier das Handlesen.

Als die Trauerzeit abgelaufen ist, heiratet der Tuchhändler Gilbert die vom Lenormand-Klan ausgesuchte Frau; eine alte Jungfer, die es mehr als zufrieden ist, so gut versorgt zu werden. Die Frau kümmert sich um die Kinder, der Mann geht nach Paris und gründet dort eine Filiale.

Es zeigt sich, dass die Stiefmutter mit der mittlerweile verwahrlosten Marianne nicht fertig wird. Also wird das Mädchen den Benediktinerinnen von Alencon übergeben. Die kleine Marianne ist eine intelligente und wissbegierige Schülerin, die sich besonders für die Mathematik begeistert. In den Pausen liest sie ihren Mitschülerinnen aus der Hand. Als das bekannt wird, wird sie vor einen Disziplinarausschuss der Klosterschule zitiert. Hexerei und Wahrsagerei sind Delikte, die sehr ernst genommen werden. Diese Episode vermerken alle zeitgenössischen Biographen der berühmten Wahrsagerin, denn während sich das Kind die Vorwürfe anhört, erlebt es seine erste Vision. Diplomatie ist weder jetzt noch irgendwann später ein hervorstechender Wesenszug Mariannes, und unbeeindruckt von den Anschuldigungen, blickt sie die Äbtissin scharf an und verkündet dieser: “Du wirst abgesetzt und musst das Kloster verlassen. Deine Nachfolgerin ist eine hartherzige Frau. Ich sehe sie!. Sie hat rote Haare, sie ist adlig. Ihr Name beginnt mit einem L.“. Marianne wird zur allgemeinen Verwunderung nicht bestraft. Aber wenige Monate später wird die Äbtissin tatsächlich aus dem Kloster gewiesen. Die neue Oberin, eine Dame aus dem Adelshaus Livardie, sorgt dafür, dass die kleine Lenormand sofort die Schule verlassen muss.

Zwei Jahre lang wiederholt sich dieses Drama – in keiner Klosterschule wird Marianne lange geduldet, obwohl sie gut lernt. Schließlich trifft der Stiefvater die Entscheidung, dass Marianne arbeiten geht wie andere Kinder ihres Alters auch. Marianne langweilt sich als Näherin, aber sie kommt gut zurecht. Sie ist fleißig, und niemand erzählt es weiter, wenn sie den anderen Lehrmädchen aus den Karten liest. Es sind nämlich gerade die Eteilla-Karten in Mode gekommen. Man trägt sie in einem bestickten Beutel als Glücksbringer um den Hals.

Marianne ist vierzehn, als sie ihr Leben selbst in die Hand nimmt. Sie reist nach Paris zum Stiefvater. Die Stiefmutter ist froh, dass sie weg ist, aber auch Monsieur Gilbert ist wenig begeistert. Zwar lässt er sie im Geschäft arbeiten, aber zu den gleichen Bedingungen, wie alle anderen Angestellten. Marianne darf sich nicht Tochter des Hauses nennen. Bitter beschreibt sie das später, dass sie wie eine Bittstellerin in das Geschäft ihres Vaters eintrat. Trotzdem gibt sie ihr Bestes.

Es liegt allerdings nicht an der allzeit fröhlichen Laune der „dicken Normand“, wie sie genannt wird, dass bald alle Kundinnen nur noch von dem jungen Mädchen bedient werden wollen, es liegt daran, dass Marianne immer genau weiß, welcher Stoff der Kundin am besten steht.

Marianne lernt beim Essen einen blassen, dünnen Buchhalter kennen, von dem sie fasziniert ist. Er ist nicht nur gebildet, sondern auch ein Geheimschüler, Nacht für Nacht stecken sie nun die Köpfe zusammen: Mathematik und Pythagoras, Astrologie und Kabbala beschäftigen die beiden. Die anderen deuten diese Beziehung anders, aber sie verraten die lustige Kleine nicht. Man schreibt das Jahr 1786 als Marianne von dem Buchhalter von Lavater und Gall erfährt. Gall kann die Fähigkeiten eines Menschen anhand der Schädelform erkennen, und er lebt in London.

Marianne hat längst begriffen, dass sie im Tuchgeschäft ihres Vaters nicht als rechtmäßige Erbin anerkannt wird. Also nutzt sie ihre Kenntnisse der Kabbala, gewinnt im Lotto 1200 Francs und verlässt heimlich die französische Hauptstadt. Marianne sieht den Buchhalter nie wieder. Sie heiratet nicht, und auch von einem anderen Liebhaber wissen die Zeitgenossen nichts zu berichten.

Das junge Mädchen landet voller Tatendrang in London. Sie kann zwar die Sprache nicht, verschafft sich aber sofort Zugang zu dem Deutschen Gall. Dieser untersucht ihren Schädel und erkennt die hellsichtige Begabung. Ja, er sagt ihr sogar voraus, dass sie die größte Prophetin ihres Jahrhunderts werden wird. Marianne hat rasch Englisch gelernt und macht sich selbständig. Sie liest aus der Hand und der Kopfform, deutet Karten und stellt Horoskope. Ihre Kundschaft stammt ausschließlich aus vornehmen Gesellschaftskreisen. Schließlich wird sie sogar zur „Offiziellen Seherin“ von Königin Caroline Amalie und Prinzessin Charlotte ernannt und gibt eine astrologische Zeitschrift heraus – „The straggling Astrologer of the Nineteenth Century by the celebrated Mademoiselle Lenormand“. Nach nur drei Jahren ist aus der „dicken Normand“ eine reiche und berühmte Persönlichkeit geworden.

Nur die Nachrichten aus der Heimat sind beunruhigend. Niemand versteht, warum Marianne London verlässt und sich wieder nach Frankreich begibt. Aber Marianne weiß, was sie will: Sie reist als erstes in ihre Heimatstadt, um ihr Vermögen unter ihren beiden Geschwistern aufzuteilen. Sophie kann dank der großen Mitgift nun heiraten, wen sie will, Marc kauft sich ein Offizierspatent und schlägt die militärische Laufbahn ein. Die liebevolle Beziehung zu den Geschwistern wird ein Leben lang halten. Aber auch sonst ist Marianne großzügig: zu ihren Angestellten, zu Freunden und späteren Schülern, auch Bettler gehen nie leer aus.

Sie lässt sich in Paris, der politisch brodelnden Hauptstadt nieder. Seit 1797 ist ihr Wohnsitz in der Rue de Tournon 6 amtlich registriert. Vierzig Jahre wird sie in dieser Wohnung ihre Beratungen durchführen. Es handelt sich um ein vornehmes Stadtviertel, und bald stellt sich auch hier wieder die adlige Klientel ein. So freigebig Marianne auch ist, für das Orakel muss man tief in die Tasche greifen. Denn ihre Voraussagen stimmen immer.

Auch die führenden Köpfe der Revolution erscheinen 1793 bei Marianne: Marat, St. Just, Robespierre. Sie nimmt die Monarchie für die gottgegeben Staatsform, solange der König milde und weise regiert.

Obwohl es lebensgefährlich ist, geht sie verkleidet zur inhaftierten Königin, um die Unglückliche zur Flucht zu bewegen. Der Plan wird entdeckt, und Marianne muss untertauchen.

In der Pariser Halbwelt mach sie eine interessante Entdeckung. Von einer Wahrsagerin der armen Leute, der Gilberte, lässt sie sich beibringen, aus dem Kaffeesatz zu lesen, mit Eiern und Wasserglas Weissagungen zu machen, und mit einem schwarzen Huhn die Zukunft vorherzusagen. Marianne erkennt sofort, dass diese Methoden nicht so arbeitsintensiv sind, wie das Errechnen eines Horoskops oder das Deuten der Karten. Denn die Sybille von St. Germain, wie sie mittlerweile genannt wird, braucht viele Stunden zum Lesen der Karten. Das schwarze Huhn ist bei den Bauern sehr gefragt. Dafür wird ein Kreis auf den Boden gemalt, der die zwölf Tierkreiszeichen darstellt, darauf streut Marianne Weizenkörner. Nach der Reihenfolge, in der das jungfräuliche schwarze Huhn die Körner frisst, berechnet Marianne die Zukunft des Fragestellers.

Dann gerät sie in Schwierigkeiten. Sie wird verhaftet und wird der Hexerei angeklagt. Sie verbringt acht Tage im Gefängnis. Sie wird mehrmals verhaftet, die Staatsform in Frankreich wechselt während ihres Lebens fünfmal.

Die Gefängnisstrafe hat ihrem Geschäft nicht geschadet, im Gegenteil. Als sie 1793 in die Rue de Tournon zurückkehrt, warten die Kunden bereits. Und sie macht sich sofort an die Arbeit, obwohl ihr ausdrücklich verboten worden ist, weiterhin die „Hexerei“ auszuüben. Aber es sind ja auch die Mächtigen ihrer Zeit, die sie aufsuchen, wahrscheinlich bleibt sie unbehelligt. Da ist die unglückliche Prinzessin Lamballe, die sich entgegen Mariannes Rat nicht zur Flucht entscheiden kann, und bald hingerichtet wird. Dann der Graf de Provence (später Ludwig XVIII.), der Frankreich unmittelbar nach Konsultation der Seherin verlässt. Marat wird ermordet, wie Marianne vorausgesehen hat. Ein Herr Fouché besucht sie, und nicht ohne Schaudern sagt Marianne ihm eine großartige Laufbahn bei der Polizei voraus. Und da ist noch der schreckliche Robespierre, der immer wieder kommt. Sie verabscheut ihn. Dass sie ihn trotzdem immer wieder empfängt liegt daran, dass sie erst einundzwanzig Jahre alt ist und noch hofft, am Rad des Schicksals drehen zu können. Aber Diplomatie ist nicht ihre Stärke.

Robespierre erfährt, was sie über ihn sagt und veranlasst ihre Verhaftung. Sie wird ins Gefängnis „Petite Force“ gebracht, das auch „Vorzimmer zum Schafott“ genannt wird. Dort findet Marianne eine freundliche, schicksalsergebene Gesellschaft vornehmer Damen vor.

Eines Tages fragt eine schöne Adlige Marianne nach der Zukunft ihres Gatten. Marianne blickt auf deren Handfläche und ruft mit zitternder Stimme: „Meine Damen, erheben Sie sich! Hier steht die nächste Königin von Frankreich!“. Marianne hatte Joséphine kennengelernt, und hier nimmt die schicksalhafte Freundschaft ihren Anfang.

Unvermittelt hat die Schreckensherrschaft der Revolution ein Ende. Marianne und die anderen Überlebenden werden aus dem Kerker entlassen. Marianne hat von nun an so viele Kunden, dass sie keine freie Minute hat. Eines Tages besucht ein unbekannter korsischer Offizier die Rue de Tournon, jedoch ganz zufrieden ist Napoleon mit Mariannes Voraussage nicht. Er schickt ihr seine Geburtsdaten. Obwohl ihm das Ereignis der astrologischen Berechnung mehr zusagt, beschließt er doch, ein wachsames Auge auf diese beängstigen hellsichtige Dame zu haben.

Denn mittlerweile hat er die schöne Joséphine kenngelernt, die er ein Jahr später heiratet. So wie Joséphines Glück wächst, so verbessert sich auch Mariannes Stellung. Bis sie 1803 von Napoleon verhaftet wird, weil es dieses Mal schlechte Voraussagen waren. Die Anklage lautet auf Hochverrat und sie kommt in das Frauengefängnis. Der Polizeipräfekt ist für Marianne kein Unbekannter, deshalb kann sie hier bescheidenen Luxus genießen.

1804 krönt Napoleon sich und seine Gattin. Mit zweiunddreißig Jahren scheint Marianne auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen zu sein. Oft besucht sie die Kaiserin, und diese schämt sich nicht, den Rat der Sybille von Paris anzunehmen.

Mariannes Kundschaft wird international. Sie wird zu Königen und Prinzessinnen gerufen, die in Paris Kaiser Napoleon huldigen müssen. Sie verschickt Horoskope in alle europäischen Staaten.

Allmählich werden die Spannungen zwischen Marianne und Napoleon immer größer. Der Kaiser entwickelt sich zum Tyrannen. 1809 lässt er Marianne verhaften. Diese Verhaftung allerdings verläuft unter großem Aufsehen. Sie wird mit einer Hausdurchsuchung verbunden.

Nach der Scheidung von Napoleon wird Marianne auf freien Fuß gesetzt. Wieder erhält sie Berufsverbot. 1814 muss Napoleon abdanken, genau wie Marianne es vorausgesagt und sich nie gescheut hatte, offen ihre Anhänglichkeit an das französische Königshaus zu zeigen, erreicht den Gipfel ihres Ruhms. Im Mai 1814 stirbt Joséphine, ihre liebste und engste Freundin. Dies Ereignis hat Einfluss auf ihre Fröhlichkeit und ihr Leben wird nie mehr so, wie es einmal war.

Einfluss auf die Politik hat sie jedoch weiterhin. So lässt Zar Alexander sich von ihr ein Horoskop erstellen. Nachdem sie ihm den Sieg über Napoleon vorausgesagt hat, widmet sie dem russischen Monarchen eine Biographie Joséphines, die 1820 gedruckt wird. Es heißt, dass sich der Zar mit einem Brillantring bei der Lenormand für die Widmung bedankte.

In Frankreich blühen Handel und Bürgertum, dessen Rechte der neue König erweitert. Marianne ist mit dem Herrscher einverstanden. Die Majestät vergisst nicht, dass die Lenormand dereinst zur Flucht riet und damit dem Grafen de Provence und künftigem König das Leben rettete. Marianne wird in diesen Jahren sehr reich.

Sie ist fünfundvierzig und besitzt neben einem Stadthaus in Paris auch ein Landschloss acht Meilen von Paris entfernt. Bargeld und Papiere verwaltet der Bankier Rothschild in Frankfurt am Main. Außerdem sammelt sie wertvolle Gemälde, und vor allem alte, esoterische Schriften. Auch in Alencon gehören ihr ein Landsitz und weitere Immobilien. Dort hat sich die öffentliche Meinung sehr gewandelt. Man ist stolz auf die berühmte Tochter der Stadt. Marianne reist oft nach Alencon, besonders, nachdem sie die Erziehung der beiden Kinder ihrer früh verstorbenen Schwester Sophie übernommen hat. Sie sorgt liebevoll für die Stief- und Waisenkinder der Familie.

Als 1820 der Kronprinz einem Attentat zum Opfer fällt und die Gesetzgebung sich in Frankreich royalistisch bis ins Extrem verschärft, reist Marianne nach Brüssel, womit sie sich in ernste Gefahr begibt, und hier erlebt sie die düsterste Epoche ihres Lebens. Zunächst hält sie auch hier Termine ab. Sie äußert sich sehr kritisch über die ungerechte Regierung des wenig beliebten Königs Wilhelm I. von Belgien und den Niederlanden. Sie wird verhaftet und wegen Spionage, Mitwirkung an der Ermordung des französischen Kronprinzen, Beteiligung an einem staatsfeindlichen Komplott und Tragen eines falschen Namens umgehend zu einer unbegrenzten Gefängnisstrafe verurteilt. Sie verteidigt sich während des Prozesses energisch, legt auch immer wieder Berufung ein, aber das verschärft am Ende nur Haftbedingungen. Monatelang bleibt sie im allgemeinen Frauengefängnis, in dem die Unglücklichen meist innerhalb kurzer Zeit an Hunger, Kälte und schrecklicher Dunkelheit sterben. Sie ist hier nicht in Paris, wo eine demonstrierende Bevölkerung die jeweiligen Machthaber immer wieder bewegt hat, die berühmte Sybille aus dem Gefängnis zu entlassen.

Nachdem Sie das Schuldgeständnis und eine Geldstrafe ablehnte, wird sie in Einzelhaft nach Leuwen verlegt. Als Karl X., der Bruder des verstorbenen Ludwig, als letzter Bourbonen-König den Thron besteigt, muss Marianne gleich zwei bittere Erfahrrungen machen. Zum einen ist der letzte Spross ihres verehrten Herrscherhauses ein Tyrann, zum zweiten ignoriert er sie nicht nur, er muss wohl ihre Arbeit auch behindert haben. Er muss 1830 abdanken.

Marianne Lenormands Ruhm ist nun international, das bewirken schon die rund vierzehn Bücher, die sie veröffentlicht hat. Aber in der Rue de Tournon wird es unter der eisigen Ablehnung Karl X. still. Sie zieht sich auf ihren Landsitz zurück und genießt die Natur, überarbeitet ihre Bücher und studiert die jahrelang gesammelten Werke. Ihre Wahrsagekunst beschreibt Marianne Lenormand leider niemals schriftlich, dieses Wissen gibt sie nur mündlich und nur an ausgesuchte Schüler weiter.

Marianne Lenormand, die ihr Leben in selbstgewählter Einsamkeit verbrachte, scheint im Alter noch einen ihr würdigen Gefährten gefunden zu haben: Hubertus Flamet, der als ihr Sekretär und Biograph ebenfalls in Schloss Puissy, ihrem Landsitz, lebt.

Schwer trifft Marianne der Tod ihres Bruders.

Mariannes Visionen werden im Alter kosmopolitisch, aber auch düster und apokalyptisch. Sie sagt den Tod Friedrich Wilhelms III. von Preußen voraus, ein zweites Kaiserreich in Frankreich und alle weiteren französischen Staatsformen. Von der russischen Revolution bis zum Untergang des osmanischen Reiches, von den Schrecken des ersten Weltkrieges bis zu Flugzeugen und Atomexplosionen reichen ihre Voraussagen, aber die Öffentlichkeit interessiert sich nicht mehr für das, was Marianne zu sagen hat.

1843, etwa an ihrem siebzigsten Geburtstag, träumt Marianne vom Stern Sirius. Obwohl sie nie krank war, versteht sie dies sofort als Ankündigung ihres Todes. Sie stirbt an einem Nierenleiden, genaugenommen an einer infizieren Operationswunde. Marianne Lenormand hat immer vorausgesagt, dass ein Arzt die Ursache ihres Todes ein würde. Aber es bleiben ihr zwei Tage, an denen sie allein mit Willenskraft ihren physischen Leib am Leben erhält. Zwei Tage, um all ihren treuen Schülern und Freunden Gelegenheit zu geben, ihr Sterbelager aufzusuchen und letzte Ratschläge zu hören. Erst als dies vollbracht ist, schließt Marianne Lenormand am 25. Juni 1843 ruhig die Augen, um endgültig in ihre geistige Heimat zurückzukehren. Sie wanderte ihr Leben lang zwischen den Welten!

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Quelle: Die Lenormand-Karten, Schirner-Verlag

 

 

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